ERP LOGISTICS

Unterwegs in die digitale Zukunft – 35 Jahre dynasoft

Simon Lüdi, CEO, Roland Nyffenegger, Mitgründer und Produktmanager und Knut Mertens, Marketing Manager, von dynasoft im Gespräch mit Christian Bühlmann, IT-Experte und Chefredakteur des Fachmagazins «Inspiring Digital Business»

Als erstes herzlichen Glückwunsch an dynasoft zum erfolgreichen Jubiläum. Eine lange Zeit liegt hinter Ihnen. Erinnern Sie sich noch, was Sie vor 35 Jahren gemacht haben?

Knut Mertens: Ich schlug mich in der Schule mit Fremdsprachen und Naturwissenschaften herum und wusste seinerzeit noch nicht, dass ich 10 Jahre später tatsächlich in den IT-Lösungsvertrieb einsteigen würde.

Simon Lüdi: Ich lernte damals autodidaktisch programmieren. Im Forschungsinstitut in welchem ich tätig war, gab es eine Unzahl von möglichen Anwendungen, die nur darauf warteten programmiert zu werden. Eine herrlich grüne Wiese mit nicht erkennbaren Grenzen, wenn man von den aus heutiger Sicht unvorstellbar geringen Infrastruktur-Ressourcen absieht.

Roland Nyffenegger: Wir haben da den Schritt von der ‘geschützten Werkstatt’ NCR in das Raubtiergehege des freien Marktes gewagt. Anders ausgedrückt: wir haben die dynasoft ag gegründet.

Was waren aus Ihrer Sicht die besonderen Momente in dieser Geschichte?

Simon Lüdi: Die besonderen Momente sind sicher mit den jeweils wichtigen strategischen Entscheiden verknüpft. Das war vor vielen Jahren der Entscheid, mit Oracle seinen Weg zu gehen. Oracle war damals keineswegs erste und einzige Wahl. Ein weiterer wichtiger Moment war, als wir mit dem Kauf der inoma AG und der Mutter-Tochter-Fusion die Finanzbuchhaltung mit aufgenommen haben und uns vollständig dem integrierten Ansatz verschrieben haben. Ebenfalls von grosser Bedeutung war der erfolgreiche Eintritt in den deutschen Markt, zusammen mit der Gründung der dynasoft GmbH vor ca. zwanzig Jahren.

Roland Nyffenegger: Jede Umstrukturierung und jede Erweiterung des Mitarbeiterbestandes war eine Herausforderung und somit auch jeweils ein besonderer Moment. Auch die Evaluation von erfolgversprechenden Partnerprodukten wie z.B. APEX oder Tableau war für mich ein Meilenstein.

Hand aufs Herz: Gab es auch schwierige Zeiten zu bewältigen?

Simon Lüdi: Selbstverständlich. Die dynasoft hat die Entstehung der IT-Branche fast von Beginn weg miterlebt und mitgestaltet. So ist es naheliegend, dass man oft Weichen zu stellen hatte und der richtige Weg nicht immer eindeutig war. Strategiediskussionen führten auf jeden Fall zu schwierigen Momenten, ja sogar dazu, dass der eine oder andere dann eben den anderen Weg gegangen ist. Innerhalb von 35 Jahren gab es auch wirtschaftlich Höhen und Tiefen. Dank einem vorsichtigen Wachstum, welches uns zwar zwischendurch auch Engpässe brachte, überstanden wir auch die zwei, drei Jahre mit kleinerem Auftragsvolumen.

Verraten Sie uns das Erfolgsrezept, wie sich ein IT-Unternehmen über 35 Jahre im Markt behaupten und alle Veränderungen bewältigen kann?

Knut Mertens: Ich denke, dass es uns über die vielen Jahre gelungen ist, unseren Kunden gut zu zuhören und die richtigen Schlüsse für die Weiterentwicklung von tosca zu ziehen. Und offensichtlich haben wir mit tosca ein Produkt erschaffen, welches auf einem extrem stabilen Standardfundament Prozesse abbilden kann, die es ermöglichen, Lebensmittel zu züchten und zu backen und gleichzeitig Küchenzubehör zu stanzen und Bleistifte zu bevorraten.
Ich glaube auch, dass wir den disruptiven Veränderungen, denen gerade unsere Branche immer wieder ausgesetzt ist immer offen gegenüberstehen und gemeinsam mit unseren Kunden entscheiden, welchen Weg wir mitgehen und welchen eben auch nicht. Dadurch gelingt es uns, unsere Ressourcen immer zielgerichtet einzusetzen und tosca entlang der Kundenbedürfnisse weiterzuentwickeln.

Zürich, Bern, Basel, Genf – Sie sind dem Standort Solothurn treu geblieben. Haben Sie das manchmal bereut? Oder anders, was hält Sie in der Kantonshauptstadt an der Aare?

Simon Lüdi: Gegründet wurde die dynasoft AG in Bern und war das erste Jahrzehnt auch dort domiziliert. Der Umzug vor einem Viertel Jahrhundert war eine gute Entscheidung, welchen wir nie bereut haben. Bereits damals lebten einige Mitarbeiter der dynasoft AG in oder nahe der Ambassadorenstadt und weitere Solothurner fanden den Weg zu uns. Solothurn ist eine ideale Stadt, wenn man Gäste zu bewirten oder unterzubringen hat, die Stadt ist gut erschlossen und unser Standort, nahe am Bahnhof, ist ideal.
Kommt dazu, dass der physische Standort an Bedeutung verliert. Wichtig ist heute, wo man virtuell präsent ist.

Kommen wir zur Gegenwart: Wo steht dynasoft heute? Hat sich dynasoft in den letzten 35 Jahren verändert?

Simon Lüdi: Vom Startup zu einer gut organisierten und professionellen Unternehmung, darf man feststellen. Die dynasoft AG ist um vieles reicher geworden. Wir haben enorm viel Erfahrung im Bereich der Projektabwicklung, in Technologieentscheiden, im Umgang mit Kunden und Partnern und natürlich auch im Umgang mit uns selber gewonnen. Die dynasoft AG steht stärker da als je zuvor. Wir sind unabhängig, wirtschaftlich gut aufgestellt, es gelingt uns sogar den Altersdurchschnitt langsam wieder zu senken. Nicht verändert hat sich unsere Schaffenskraft, unser Verständnis für gute Dienstleistung uns unser technologischer Wissensdurst.

Oft spricht man von Zielgruppen im Marketing. Wer sind Ihre Kunden heute? Hat sich der Fokus in den vergangenen Jahren verändert?

Knut Mertens: Der Fokus hat sich nicht entscheidend verändert, wir sehen uns immer noch als prädestinierter Anbieter für den Gross- und Detailhandel sowie Produktionsunternehmen mit einem nicht unerheblichen Anteil Handel am Geschäft. Konsequenter sind wir geworden, was die Bearbeitung des Marktes angeht. Jede Ausschreibung, die bei uns auf dem Tisch landet, hat den Anspruch seriös und fundiert bearbeitet zu werden. Die Kunden haben sich Mühe beim Erarbeiten der Unterlagen gegeben und dürfen vom Anbieter Gleiches bei der Erarbeitung des Angebotes erwarten. Da ist es nur folgerichtig, als Anbieter ehrlich zuzugeben, welche Kundenzielgruppen mit ihren spezifischen Anforderungen zum Produkt passen und welche auch nicht. Auch einmal ehrlich «nein» zu sagen trägt zum positiven Erscheinungsbild des Unternehmens bei.

Welche Themen beschäftigen die tosca-Kunden aktuell? Und wie können Sie diese als Softwarehersteller unterstützen?

Knut Mertens: Themen, in denen wir mit tosca gefordert werden gibt es viele. Stellvertretend benennen können wir sicher den Bereich CRM, denn in immer mehr Unternehmen setzt sich die Erkenntnis durch, dass Vertrieb das Thema ist, wodurch die Entwicklung der Unternehmen massgeblich beeinflusst wird. Sprechen wir von CRM sind wir auch sehr schnell beim Gesamtthema der Vertriebssteuerung. Heute ist es wichtiger denn je, jederzeit über den aktuellen Stand der Vertriebsprozesse und deren Phasen Bescheid zu wissen, um schnell und fundiert die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dies ist ein wesentlicher Schwerpunkt unserer derzeitigen Entwicklungsagenda. Daneben werden wir in den kommenden Monaten weitere grosse Fortschritte in der Abwicklung des Servicegeschäftes machen, denn dies ist für KMU ein wesentlicher Aspekt, sich gegenüber der globalen Konkurrenz positiv abzugrenzen und einen echten Mehrwert für die Kunden zu schaffen.

Roland Nyffenegger: KI (künstliche Intelligenz), IoT (Internet of Things), Cloud-Computing, chatBots etc. sind grosse Schlagworte die einerseits viele interessante Aspekte für die IT-Zukunft in Aussicht stellen, andererseits aber auch verunsichern können. Nicht für jeden Betrieb sind z.B. chatBots gleich wichtig. Die Kunst bei solchen Themen ist es, im richtigen Moment auf den richtigen Zug aufzuspringen, was nicht zwingend heisst, der Erste zu sein. Dynasoft will hierzu seinen Kunden einen verträglichen und gangbaren Weg in die Zukunft aufzeigen. Dies im richtigen Tempo und auch ausgerichtet auf die jeweiligen Bedürfnisse der Kunden.

Mit vielen Ihrer Kunden verbindet Sie eine enge, langjährige Partnerschaft. Gibt es inzwischen so etwas wie eine «tosca community»?

Simon Lüdi: Ja, diese Community gibt es. Nicht nur wir kennen die Kunden zum Teil seit Jahrzehnten, sie kennen sich untereinander, dank den vielen Anlässen, ebenfalls schon sehr gut. Da wird gefachsimpelt, Wissen ausgetauscht, da trifft man sich auch einmal untereinander ohne die dynasoft AG. Leider sind wir alle sehr beschäftigt und so haben sich weitere Formate wie z.B. ein Anwenderbeirat nicht wirklich halten können. Ein gemeinsamer Anlass pro Jahr ist am Ende das richtige Mass, um sich persönlich zu begegnen und auszutauschen.

Im Jahr 2054 wird dynasoft 2 x 35 Jahre alt. Werfen Sie einen Blick in die Kristallkugel: Wie wird es dannzumal in Sachen Digitalisierung aussehen? Welche Rolle wird dynasoft dabei spielen? Und… was machen Sie persönlich dann gerade?

Simon Lüdi: Geschäftsprozesse werden auch dann abgebildet werden müssen. Vermutlich wird man kaum mehr Hardware in den Unternehmen finden. Die ERP’s werden noch stärker Prozesse als Services anbieten und sie werden mit Sicherheit in Bezug auf Interoperabilität stark weiterentwickelte oder sogar neue Konzepte und Technologien einsetzen. Vielleicht wird das ERP nicht mehr als Riesenapplikation wahrgenommen, sondern mehr als Daten- und Prozessprovider in der Cloud zur Verfügung stehen. Die Rolle der dynasoft ist klar: Sie soll nach wie vor zu den führenden fünf ERP-Herstellern der Schweiz gehören. Ich sehe keinen Grund, weshalb ihr das nicht gelingen soll.

Roland Nyffenegger: Die Digitalisierung wird soweit fortgeschritten sein, dass nur noch die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze benötigt wird. Der Dienstleistungssektor wird zu 80% mit intelligenter, interaktiver Software automatisiert sein. Bei den Fabrikationsbetrieben wird die Robotertechnologie menschliche Arbeit mehrheitlich verdrängt haben. Im besten Fall wird der Wohlstand erhalten bleiben und mehr Freizeit zur Verfügung stehen. Eine Besteuerung von Robotern und Geldtransaktionen wird unumgänglich sein. Dynasoft wird bis dahin mit neuen, innovativen Kräften die Handels- und Industriebetriebe mit der optimalen IT-Kompetenz ausstatten und diese durch den Dschungel der neuen Technologien führen. Ich selbst werde das aus demografischen Gründen nicht mehr erleben.